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„Das kann so nicht weitergehen“ - Zwei Tonnen Textilmüll werden monatlich beim DRK Lehrte abgestellt. Der Container kommt weg, eine Videoüberwachung folgt – und Kleiderspenden sind nur noch mit persönlicher Annahme möglich.

"Presseschnipsel"
HAZ Lehrte / 25.04.2026
(von Carina Bahl)

Lehrte.

Die blauen Säcke in den großen Garagen des DRK Lehrte türmen sich bis unter die Decke. Das DRK-Fahrzeug muss inzwischen draußen parken.

Es sind rund zehn Tonnen, schätzt der Vorsitzende Achim Rüter, die allein in den Garagen gerade lagern. Im Keller des DRK-Hauses häufen sich weitere zig Säcke. Nun könnte man denken, dass es sich dabei um besonders gut gemeinte Spenden für die Kleiderkammer handele. Doch der Schein trügt: Das, was sich dort stapelt, ist Müll – kaputte oder teils stark verdreckte Kleidung, die nicht weitergegeben werden kann.

Zwei Tonnen Müll im Monat

„Inzwischen sind mindestens 80 Prozent der Spenden, die wir bekommen, Müll“, beschreibt Lehrtes DRK-Vorsitzender Achim Rüter das Problem. Zwei Tonnen pro Monat seien die Regel. Der Kleidercontainer auf dem Hof sei mehrmals pro Woche voll. Dennoch würden viele „Spender“ ihre Säcke danebenstellen. Auch kaputtes Spielzeug, Restmüll, kaputtes Geschirr, Sperrmüll und sogar ein großes Holzkruzifix hätten die Ehrenamtlichen zuletzt vorgefunden. „Das kann so nicht weitergehen“, betont Rüter.

Eine mögliche Ursache: Wie auch in anderen Kommunen sind in Lehrte die Altkleidercontainer nahezu allerorts abgebaut worden. Wo man früher mit Altkleidern noch Geld verdienen konnte, zahlt man heute drauf, um diese loszuwerden, erläutert Rüter. Das merkt auch das DRK. „Früher konnten wir noch drei- bis viermal im Jahr einen Container mit Textilien an ein Recyclingunternehmen verkaufen“, sagt er. Nun müsste das DRK pro Tonne 120 bis 150 Euro für die Entsorgung zahlen. „Das können wir nicht leisten als Verein“, betont er.

Kellerboutique für jeden geöffnet

Dabei ist die Idee der Kleiderkammer doch eine ganz andere: Gewaschene, intakte und noch gut tragbare Kleidung kann beim DRK gespendet werden. Diese wird vom neunköpfigen Team sortiert und in der sogenannten „Kellerboutique“ verkauft. T-Shirts für einen Euro, ein Blazer für 2,50 Euro, Schuhe für 1,50 Euro – Schnäppchen, selbst für Secondhandware. Die Kleiderkammer ist offen für jeden. Der Erlös kommt sozialen Zwecken zugute. 2024 wurden fast 6000 Teile an mehr als 850 Kunden dort weitergegeben.

Doch die aktuelle Situation ist nicht mehr tragbar. Verschmutzte Unterwäsche sei eine Zumutung für die Ehrenamtlichen, die in ihrer Freizeit die Spenden sortierten, sagt Rüter. „Aber auch das alte rosageblümte Nachthemd von Oma Kasulke, das nach der Haushaltsauflösung wegmusste, gehört hier nicht her.“ Die Kleiderkammer würde immer häufiger als kostenlose Müllentsorgung genutzt. Entsprechend sieht sich das DRK nun gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen. Der Kleidercontainer auf dem Hof an der Ringstraße 9 werde abgebaut und die Videoüberwachung erweitert, kündigt DRK-Sprecher Andreas Witte an. „Und wir werden jeden, der dort unerlaubt etwas abstellt, konsequent anzeigen“, ergänzt Rüter. Natürlich freue sich die Kleiderkammer weiterhin über gut erhaltene Spenden – und setze daher ab sofort ausschließlich auf eine persönliche Annahme. „Kleidung, die nicht den Kriterien entspricht, muss dann wieder mitgenommen werden“, sagt Witte. Das DRK hat die Öffnungszeiten dafür ausgeweitet und nimmt jetzt dienstags von 9 bis 11 Uhr und donnerstags von 9.30 bis 11.30 sowie von 15 bis 17 Uhr Kleiderspenden entgegen. Die Kellerboutique wiederum öffnet für den Verkauf zeitgleich am Dienstag- und Donnerstagvormittag sowie zusätzlich an jedem ersten und dritten Freitag im Monat von 13 bis 15 Uhr. Gleichwohl ist das Team hoch motiviert, weiterhin Menschen in schwierigen Lebenslagen zu helfen.

Ein Projekt, die Kellerboutique in Pflegeheime fahren zu lassen, um dort Senioren, die nicht viel Geld haben, den Einkauf der Kleidung zu ermöglichen, ist in Planung. „Aber dafür brauchen wir mehr Ehrenamtliche“, sagt Rüter. Beim Fest zum 120-jährigen Bestehen des DRK-Hauses am Samstag, 9. Mai, will sich das Rote Kreuz daher mit all seinen Aktivitäten von 13 bis 17 Uhr vorstellen und hofft so, weitere Mitstreiter zu finden. Jene, die wirklich helfen wollen.