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Region verleiht DRK-Chef Achim Rüter für sein Engagement die Ehrenmedaille. Doch sein Einsatz geht weit über das Rote Kreuz hinaus.

Presseschnipsel : Von Katja Eggers - 07.05.2026 HAZ – Ausgabe Lehrte Sehnde
Lehrte. Achim Rüter ist den meisten Lehrterinnen und Lehrtern vermutlich als Vorsitzender des örtlichen Deutschen Roten Kreuzes bekannt.

Der 64-Jährige ist sozusagen das Gesicht des DRK Lehrte. Immer präsent, immer darauf aus, den Leitgedanken des DRK – den Menschen in Krisen- und Notlagen zu helfen und eine Gemeinschaft zu bieten – aktiv zu leben.

Für sein herausragendes Engagement für nachbarschaftliches Miteinander ist der Lehrter jetzt mit der Ehrenmedaille der Region Hannover ausgezeichnet worden.

In diesem Jahr lag der Fokus der Auszeichnung auf der nachbarschaftlichen Hilfe - und das beschreibt auch Rüters Engagement. Denn sein Wirken zielt darauf ab, Menschen aus ihrer Einsamkeit zu holen und in die Gesellschaft zu integrieren. Weil Heiligabend niemand allein sein sollte, organisiert Rüter zum Beispiel seit 2019 die Aktion „Gemeinsam statt einsam“. Dafür lädt der Ortsverein Menschen zu sich ins DRK-Haus an der Ringstraße ein, die den Heiligabend sonst allein verbringen müssten. Nachmittags gibt es Kaffee und Kuchen, später ein Abendessen. Im weihnachtlich geschmückten Saal wird geklönt und gespielt.

Die Idee ist bei der Buchführung mit einer Mitarbeiterin im DRK-Büro entstanden. „Wir haben festgestellt, dass Weihnachten für uns auf der Bedeutungsliste nicht ganz oben steht und wir doch Zeit haben, um etwas für andere auf die Beine zu stellen“, sagt Rüter. Der Mann ist ein Macher. Für den Heiligabend kümmert er sich beim DRK um den Einkauf, den Auf- und Abbau, die Kaffeetafel, das Kochen, das Bufett, und natürlich um die Gäste.

Zu „Gemeinsam statt einsam“ kommen längst nicht nur Ältere. Im vergangenen Jahr feierten um die 20 Menschen beim DRK gemeinsam Heiligabend, darunter alleinerziehende Mütter mit Kindern und Menschen mit Migrationshintergrund, die als Helfer mitwirkten. „Das Phänomen Einsamkeit betrifft auch zunehmend Jüngere um die 30“, betont Rüter und nennt als mögliche Ursache die Nachwirkungen der Corona-Pandemie und soziale Isolation durch Homeoffice.

Eine weitere Maßnahme gegen die Einsamkeit: Als ausgebildeter Duo-Seniorenbegleiter unterstützt Rüter im Auftrag der Stadt ehrenamtlich Seniorinnen und Senioren im Alltag. Seit drei Jahren begleitet er einen älteren Herrn. „Ich schaue einmal die Woche rein, wir trinken gemeinsam Kaffee – manchmal geht es auch um Besorgungen und die Begleitung zum Arzt“, erklärt Rüter.

Der 64-Jährige unterstützt auch Zugewanderte. Sein Ziel: Menschen mit Migrationshintergrund durch Mitmachen in die Gesellschaft zu integrieren. Ob Gartenarbeit, Kaffeeausschenken oder Kleidung sortieren in der eigenen Kleiderkammer – beim DRK bieten sich dafür laut Rüter viele Möglichkeiten. Er hat zudem Ukrainern, Syrern und Irakern Arbeit vermittelt. „Ich sehe mich vor allem als Türöffner, der Kontakte zu Arbeitgebern herstellt“, berichtet Rüter.

Der DRK-Vorsitzende war es auch, der 2015 die Initiative „Lehrte hilft“ ins Leben gerufen hat, einen engagierten Zusammenschluss, der Geflüchtete und Bedürftige in Lehrte unterstützt, unter anderem durch Sprachkurse, Antragsunterstützung, Sachspenden und interkulturelle Projekte, oft in Kooperation mit dem DRK.

In Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Sozialdienst der Stadt Lehrte und Spielwarenhändler Uli Henschel organisiert Rüter zu Weihnachten zudem seit Jahren Geschenkaktionen für Kinder aus sozial schwachen Familien. Die Kinder können Wünsche im Wert von 25 bis 30 Euro nennen. Das DRK beschafft die Geschenke, verpackt sie weihnachtlich und übergibt sie vor Heiligabend an die Eltern.

Rüter selbst lebt getrennt, Sohn und Tochter sind längst erwachsen und aus dem Haus. Seit Oktober 2025 ist der Lehrter in Rente. Ehrenamtlich engagiert er sich schon sein ganzes Leben. Bereits mit 16 hat er als Schatzmeister in einer Jugendorganisation ehrenamtlich Verantwortung übernommen. Seine DRK-Karriere startete er mit 20 als Sanitätshelfer. Die Motivation damals: zehn Jahre im Katastrophenschutz statt Dienst bei der Bundeswehr. Rüter absolvierte Ausbildungen zum Gruppen-, Zug- und Bereitschaftsführer. Später übernahm er im Ortsverein die Öffentlichkeitsarbeit, 2007 wurde er Schriftführer und 2014 zum Vorsitzenden gewählt. Was ihn seinerzeit angetrieben hat und noch immer antreibt? „Helfen macht Spaß“, sagt Rüter. „Weil man etwas zurückbekommt, das nicht käuflich ist – nämlich Dankbarkeit, ein Lächeln, eine positive Rückmeldung, eine herzliche Umarmung.“

Ebenso ziehe er aus dem Ehrenamt aber auch einen Nutzen für seine persönliche und berufliche Entwicklung. Im Ehrenamt lerne man wichtige Fähigkeiten wie strukturiertes Denken, Rhetorik oder Didaktik. „Und man kann sich ausprobieren – das reicht vom Bewerbungsgespräch bis zur Konfliktbewältigung“, erklärt Rüter, der früher als Bildungsmanager für die Commerzbank in Frankfurt gearbeitet hat. In seinen Ehrenämtern engagiert er sich aktuell fünf bis 15 Stunden pro Woche. Als Rentner zur Ruhe setzen? Für Rüter ist das noch in weiter Ferne.